Jüdische Komponisten und Komponistinnen

Jerome Kern

In Erinnerung an Coco Schumann improvisieren Markus Bratusa und Jakob Aumüller über den Song:
„All the Things You Are“ (Konzert 10.4.2025)

Jerome David Kern war ein amerikanischer Komponist für Musiktheater und populäre Musik. Als einer der wichtigsten amerikanischen Theaterkomponisten des frühen 20. Jahrhunderts schrieb er mehr als 700 Lieder, die in über 100 Bühnenwerken verwendet wurden, darunter Klassiker wie „Ol‚ Man River“, „Can't Help Lovin‘ Dat Man“, „A Fine Romance“, „Smoke Gets in Your Eyes“, „The Song Is You“, „All the Things You Are“, „The Way You Look Tonight“ und „Long Ago (and Far Away)“. Er arbeitete mit vielen der führenden Librettisten und Texter seiner Zeit zusammen, darunter George Grossmith Jr., Guy Bolton, P. G. Wodehouse, Otto Harbach, Oscar Hammerstein II, Dorothy Fields, Johnny Mercer, Ira Gershwin und Yip Harburg.

Jerome Kern wurde im im Jahr 1885 in New York geboren. Seine Eltern waren Juden, die von Deutschland in die USA ausgewandert waren. Die Musikalität hatte der Junge von seiner Mutter Fanny geerbt, die Klavierlehrerin war; sie erteilte ihm den ersten Klavierunterricht. Er studierte am New York College of Music. Später setzte er sein Studium in Heidelberg fort. 1904 kehrte er in seine Heimat zurück. Von 1905 an hielt er sich immer wieder einige Zeit in London auf. Das Jahr 1927 bescherte Jerome Kern den Höhepunkt seines Ruhms: In Zusammenarbeit mit dem Librettisten Oscar Hammerstein II entstand der Welterfolg „Show Boat“. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte betätigte sich Jerome Kern auch oft als Filmkomponist, indem er u. a. viele seiner Musicals für das in Hollywood boomende Genre „Musikfilm“ bearbeitete. Zweimal bekam er den Oscar in der Kategorie „Bester Song“: 1936 für „The Way You Look Tonight“ aus „Swing Time“ und 1941 für „The Last Time I Saw Paris“ aus „Lady Be Good“.

Am 5. November 1945 erlitt er einen Herzanfall und stirbt knapp eine Woche später.

Der gebürtige New Yorker Kern schuf in seiner mehr als vier Jahrzehnte währenden Karriere Dutzende von Broadway-Musicals und Hollywood-Filmen. Seine musikalischen Innovationen, wie der 4/4-Tanzrhythmus und die Verwendung von Synkopen und Jazz-Progressionen, bauten auf der früheren Musiktheatertradition auf, anstatt sie zu verwerfen. Er und seine Mitarbeiter setzten ihre Melodien auch dazu ein, die Handlung voranzutreiben oder die Charaktere in größerem Maße als in anderen Musicals seiner Zeit zu entwickeln, und schufen damit das Modell für spätere Musicals. Obwohl Dutzende von Kerns Musicals und Musicalfilmen Hits waren, wird nur Show Boat heute regelmäßig wiederaufgeführt. Die Songs aus seinen anderen Shows werden jedoch immer noch häufig aufgeführt und adaptiert. Viele von Kerns Liedern wurden von Jazzmusikern adaptiert und zu Standardmelodien.

Quellen: kennedy-center.org und wikipedia


Sholom Secunda

Sholom Secunda wurde 1894 als Schlojme Sekunda in der Nähe von Kherson, damals im Russisches Kaiserreich, heute Ukraine geboren. In seinem jüdischen Elternhaus wurde Jiddisch, aber auch Deutsch gesprochen. Schon als Siebenjähriger sang er im Synagogenchor, im Jahr 1905 begann er eine Kantorenausbildung und sang als Solist. Sein Ruf als Wunderkind verbreitete sich schnell. Nach den Pogromen in Russland emigrierte die Familie im November 1907 nach New York, wo Sholom Gesangs- und Klavierunterricht, bei Ernst Bloch Kompositionsunterricht nahm und ab 1914 am Institute of Musical Art (heute Julliard School) ein Studium begann. Sholom Secundas Herz schlug für das Jiddische Theater, dem er Zeit seines Lebens verbunden war, er knüpfte viele wichtige und langjährige Kontakte in Europa mit jiddischen Theaterstars. 1929 reiste Sholom nach Hollywood, in der Filmindustrie Fuß fassen konnte er allerdings nicht. Die beiden jiddischen Lieder „Bei Mir Bistu Shein“ (komponiert 1932) und „Dos Kelbl“ (Donna Donna, komponiert 1940) sind seine die bekanntesten Werke. Er trat mit den Andrew Sisters im Radio auf und arbeitete mit namhaften jüdischen/jiddischen Künstlern seiner Zeit zusammen. Sholom Secunda starb 1974 in New York City.

Harold Arlen

Harold Arlen wurde 1905 als Hyman Arluck in Buffalo, in den USA geboren. Sein Vater war ein Chasan, ein Vorbeter und Vorsänger in der Synagoge. Er lernte Klavier und gründete in seiner Jugend eine Band. Er komponierte, bereits unter seinem Künstlernamen Harold Arlen, für die großen Shows und Musicalbühnen in New York. Ab 1937 verbrachte er zunehmend Zeit in Kalifornien, wo er sich der Filmmusik verschrieb und mit dem Texter E. Y. Harburg zusammen arbeitete. 1938 schlossen sie einen Vertrag mit Metro-Goldwyn-Mayer zur Komposition der Musik für den Film Das zauberhafte Land (The Wizard of Oz). Für dessen bekanntesten Song Over the Rainbow wurden sie 1940 mit dem Academy Award for Best Music, Original Song (Oscar) ausgezeichnet. Zahlreiche namhafte Künstler:innen nahmen Harold Arlen Songs in ihr Repertoire auf, wie Ella Fitgerald, Oscar Peterson, Tony Bennet und Barbra Streisand. Harold Arlen starb 1986 in New York City. Weitere bekannte Songs von Harold Arlen sind: That Old Black Magic, Come Rain or Come Shine, It’s Only a Paper Moon, Stormy Weather.

Mario Melli

Mario Melli Genazzani wurde am 7. Dezember 1924 in Florenz geboren. Er wurde am 30. April 1944 in Florenz festgenommen. Nach seiner Verhaftung wurde er für einige Wochen im Gefängnis der Stadt, anschließend im Durchgangslager Fossoli festgehalten. Am 26. Juni 1944 wurde er ins KZ Auschwitz deportiert, wo er am 30. Juni ankam. Mario Melli starb am 30. November 1944. Er war erst 19 Jahre alt. Auch seine Mutter, Elena Genazzani und deren zwei Brüder Davide und Abramo wurden in der Shoa ermordet. Die einzige Komposition von Mario Melli, die erhalten geblieben ist, ist das 1943 komponierte „Preludio“. Es soll von einem Gedicht eines Freundes von Melli inspiriert sein: "The Thought Crossed the Threshold of the Dead".

In Italien bildete Mussolini ab Mitte der 30er Jahre ein Bündnis mit Nazi Deutschland und die Verfolgung der italienischen Juden und Jüdinnen verschärfte sich im Herbst 1943 als die Deutschen Nord und Mittelitalien besetzten. Namhafte Musiker zeigten Widerstand: der Italiener Arturo Toscanini reiste 1936 nach Palästina, um als Geste der Solidarität die Eröffnungskonzerte des Palestine Symphony Orchestra (heute Israel Philharmonic Orchestra) zu dirigieren. Der Österreicher Erich Kleiber weigerte sich an der Mailänder Scala zu dirigieren, weil es für Juden verboten war die Oper zu besuchen, Artur Rubinstein sagte seine Italien Tournee ab und gab seinen hohen italienischen Orden, den er vom Duce erhalten hatte, zurück.

Fritz Spiegl

Fritz Spiegl wurde 1926 in Zurndorf, Burgenland geboren. In seinem Interview, dass er 2002 für das Buch Vertrieben (*) gegeben hat beschreibt er sehr detailreich die Situation in Zurndorf im Jahr 1938, als die Juden und Jüdinnen aus dem Dorf vertrieben wurden und er mit deinem Kindertransport nach Großbritannien entkommen konnte, wo er vom späteren Kriegsminister David Margesson aufgenommen wurde. Er erhielt eine sehr gute Schulausbildung, brachte sich selbst das Flötenspiel bei und trat 1946 in die Royal Academy of Music ein. Er verließ das Orchester noch vor Ende seines Studiums, um eine Stelle als Soloflötist beim Royal Liverpool Philharmonic Orchestra anzutreten, wo er 15 Jahre lang blieb. Fritz Spiegl war ein Mann mit einer bemerkenswerten Liste von Interessen und Talenten. So gründete er die Liverpool Music Group und das Liverpool Wind Ensemble, wurde zum Impresario komischer Konzerte, die in Liverpool und in der Royal Albert Hall in London ein großes Publikum anzogen. Für die in England bekannte Fernsehserie Z-Cars komponierte er die Titelmusik, die später zur Hymne eines Fußballklubs (Everton) wurde. Er bearbeitete Musik von Bach, Händel und den Beatles für Flöte, er widmete sich in zahlreichen von ihm herausgegebenen Büchern dem Liverpooler Dialekt und gründete gemeinsam mit seiner Frau einen Verlag, schrieb Kolumnen in mehreren Zeitungen und moderierte Radiosendungen wie "Fritz on Friday". Er starb im Jahr 2003 in Liverpool.

Amy Winehouse

Der Ururgroßvater von Amy Winehouse, Harris, flüchtete 1891 vor den gewalttätigen Pogromen aus seiner Heimatstadt Minsk in Weißrussland. Er wollte ursprünglich nach New York, blieb aber in London hängen. Amys Großmutter Cynthia (verheiratet mit Alec, dem Enkel von Harris) hielt in der Familie, deren Lebensmittelpunkt nun das East End in London geworden war, die jüdische Tradition hoch und sie liebte Jazzmusik. In ihrer Obhut tauchte Amy Winehouse (geb.1983) in diese Welt ein. Mit 13 Jahren bewarb sich Amy an der Schauspielschule mit dem Lied „On the Sunny Side oft he Street“. Als ihre musikalische Karriere begann mit 16 Jahren, mit 18 hatte sie den ersten Plattenvertrag, mit 20 wird sie mit ihrem Debütalbum weltberühmt. Obwohl sie in ihrer großen Familie ein intaktes und liebevolles Umfeld hatte, schlitterte sie privat in das Drogenmilieu. Der Tod ihrer Großmutter traf sie tief, Scheidung, Depression, Alkoholexzesse. Amy Winehouse starb im Jahr 2011 mit 27 Jahren in ihrem Haus in Camden Town. (P.R)

John Zorn

Der Komponist, Produzent und Saxofonist John Zorn, geboren 1953 in New York City, gilt als einer der einflussreichsten Musiker im zeitgenössischen Jazz und darüber hinaus. Die musikalische Bandbreite seiner unzähligen Projekte ist beeindruckend und frei von üblichen Genrebegrenzungen.

Mit dem Album Kristallnacht, das die Schrecken des Holocausts thematisiert, begann sich Zorn 1993 erstmals vertiefend mit seinen jüdischen Wurzeln zu beschäftigen. Die Veröffentlichung markierte den Beginn der musikalisch-kulturellen Bewegung Radical Jewish Culture, unter deren Schirm sich vor allem New Yorker Musiker:innen mit jüdischer Kultur und Tradition beschäftigten. Auch Zorn trug weiterhin dazu bei, unter anderem mit mehreren Liedersammlungen der Reihe Masada, die mittlerweile über 600 Kompositionen Zorns beinhalten. Komposition #90 aus dem ersten Masada Book Of Songs ist das Stück Abidan (hebräisch für “Urteile des Vaters”). (MB)