Emanuel Stössel

Emanuel Stössel wurde im Jahr 1886 in Lockenhaus geboren, gestorben, vermutlich 1941, in Polen.

Er war der Sohn von Wolf und Sophie Stössel (geb.Gerstl). Er lebte in Mödling, war verheiratet mit Valerie Breuer, 1932 wurde er Vorstandsmitglied der IKG. Emanuel Stössel war Kaufmann. Er führte eine Handelsgesellschaft und Kommission für Hülsenfrüchte, Landesprodukte und Kolonialwaren, (Auszug aus Telefonbuch). Seine Adresse in Mödling war Klostergasse 8.

Stössel E
Erinnerungsstein in Mödling, Klostergasse 8
Stössel V
Erinnerungsstein in Mödling, Klostergasse 8

Die letzte Adresse des Ehepaars Valerie und Emanuel Stössel in Österreich war Tandelmarktgasse 8/5 im 2. Wiener Gemeindebezirk, eine Sammelwohnung. Am 19.10.1941 wurden beide nach Lodz deportiert:

Transport 7, Zug Da 5 von Wien, Österreich nach Lodz, Ghetto, Polen am 19/10/1941 deportiert. (Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, Wien, doew.at).

Beide wurden in der Shoa ermordet.

Tochter Sophie überlebte und schrieb im Jahr 1975 ein Gedenkblatt/Page of Testimony in Yad Vashem. Auch ein Enkel, Peter, hat im Jahr 2006 ein Gedenkblatt in Yad Vashem verfasst.

Quellen: Yad Vashem, DÖW


Aktualisierung 2.12.2020

Emanuel und Valerie Stössel hatten drei Töchter: Alle drei Kinder überlebten den Holocaust. Franzi, Sophie und Gretel

Franzi, sie war die älteste der drei Schwestern, gelang gemeinsam mit ihrem Ehemann die Flucht nach England. In den frühen 60er Jahren emigrierten sie mit den beiden Söhnen in die USA. Beide Söhne hatten Kinder.

Sophie, geb. im Juli 1919 in Wiener Neustadt, war neunzehn oder zwanzig Jahre alt, als ihr die Flucht nach England gelang. In London heiratete sie 1940, am Vorabend seiner Internierung auf der Isle of Man, einen jungen Österreicher. Sie hatten zwei Söhne. Beide Söhne leben mit Ihren Familien (Kinder und Enkelkinder) in England. Sophie wurde 87 Jahre alt, sie starb 2006. „Der Holocaust war die große Tragödie ihres Lebens. Ein ständiger Schatten“. (Zitat eines ihrer Söhne)

Gretel (Margaret), geb. am 31. März 1923, war die jüngste der drei Schwestern. Sie wurde nach der Pogromnacht im November 1938, über einen Kindertransport des Roten Kreuzes nach England gebracht. Ob die Eltern Emanuel und Valerie wussten, wohin ihre jüngste Tochter geschickt wurde, ist unklar. In England angekommen wurde die fünfzehnjährige Gretel, im Gegensatz zu anderen Kindern aus den Kindertransporten, leider nicht von einer Familie aufgenommen, sondern kam in ein Waisenhaus. Gretel bezeichnete das Heim, in ihren wenigen und skizzenhaften Erzählungen, eher als ein „Arbeitslager“. Erst 1940 war sie wieder mit ihren Schwestern vereint und lernte ihren zukünftigen Ehemann, der ebenfalls aus Wien stammte, in England kennen. 1949 wanderten sie in die USA aus. Gretel wurde 78 Jahre alt, sie starb 2001. Nachkommen von Gretel leben heute in den USA. Gretel sprach „niemals über ihre Eltern und sehr wenig über ihr Leben auf der Flucht, auf Fragen dazu wurde sie immer sehr still. Darüber zu sprechen war zu schmerzvoll“. (Zitat ihres einzigen Sohnes)

Emanuel und Valerie Stössel starben in Auschwitz.

Die Nationalsozialisten führten akribische Aufzeichnungen und diese sind in Yad Vashem einzusehen. Sie enthalten das Datum der Deportation von Österreich nach Lodz, das Datum des Transports nach Auschwitz, das Datum ihrer Ankunft in Auschwitz. Am Tag ihrer Ankunft im Lager in Auschwitz wurden sie sofort in die Gaskammern gebracht und ermordet. (Diese Information stammt von einem Nachkommen von Emanuel Stössel, nach seinem Besuch in Yad Vashem)